Folge 29 – Kunst in Spielen. Spiele als Kunst?

Ja, ihr habt richtig gelesen, heute wird es mal wieder anspruchsvoll! Jüngst auf der Gamescom wurde ich abermals damit konfrontiert, dass Kunst, welche sich aus dem reichen visuellen und akustischen Angebot der Computerspiel-Welt bedient, keine Seltenheit mehr ist. Und auch Ralf ist auf seinen Streifzügen durchs Internet auf so manchen Schatz gestoßen, den er mit uns teilen will.

Ausgehend von unseren Beobachtungen stellen wir uns aber auch die Frage, wie weit man die Verknüpfung von Spielen und Kunst denn treiben kann und muss. Ist das Entwickeln von Spielen an sich schon künstlerisches Handwerk? Macht Kunst in Spielen Spiele zur Kunst? Und warum sieht der letzte Satz so seltsam aus, obwohl er grammatikalisch völlig korrekt ist? Mit (fast) allen diesen Fragen setzen wir in der neuesten Folge von about:games auseinander.

Kennt ihr selbst Spiele, die ihr persönlich als “Kunst” bezeichnen würdet? Und warum? Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

Shownotes

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5 Comments

  1. Posted August 27, 2012 at 00:49 | Permalink

    Jetzt habe ich bislang nur den Text zum Podcast gelesen und schon MUSS ich quasi schon einen Kommentar schreiben 🙂

    Bei der Kunst vertrete ich eine für viele Menschen äußerst Provokante Meinung: Kunst teilt sich den Wortstamm mit künstlich. Daher folgt, das alles, was vom Menschen in kreativer Einzelleistung geschaffen wird, Kunst ist. Solange also keiner einen Generator schreibt, welcher auf Knopfdruck und ohne weiteres menschliches Zutun eine quasi unendliche Anzahl von Computerspielen erstellt, ist jedes Spiel für sich genommen Kunst. (So ein Generator wäre aber auch mal ein cooles Projekt *g*). Die Motivation des bzw. der Schöpfer ist dabei Nebensächlich. Künstler dürfen mit ihrer Kuns gerne auch zu Lebzeiten stinkreich werden und müssen nicht am Hungertuch nagen. Es darf sogar Triebfeder für sie sein 🙂
    Auch die Höhe der kreativen Menschleistung darf keine Rolle spielen. Wenn jemand einen schwarzen PacMan auf schwarzen Grund setzt und es deswegen StealthMan nennt, ist das möglicherweise nicht die Tat eines Geistesheroen, aber trotzdem Kunst. Die bittere Pille daran ist: für andere Kunstrichtungen gilt das leider auch. Wir müssen daher auch eine Boysche Fettecke als Kund akzeptieren oder was ein Dieter Bolen oder diverse Volksmusikmutaten als Musik bezeichnen.

    Das ganze hat aber eine ganz besondere gesellschaftliche bzw. politische Auswirkung: Jede Ausprägung von Kunst hat in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ein Recht darauf zu existieren (mit der Einschränkung, das sie keine höher angesehenen Grundreche beeinträchtigen darf). Deswegen kann man zwar den Zugang für schutzpflichtige Gruppen (aka Kinder und Jugendliche) beschränken, ein tatsächliches Verbot ist aber nur unter enormen Hürden möglich.
    Das trifft natürlich all jene Gutmenschen besonders hart, welche gerne mal z.B. ein Produktionsverbot für die sogenannten ‘Killerspiele’ fordern. Würden wir das nämlich zulassen, wären wir an einer Stelle wie damals vor rund 75 Jahren, als man Bücher verbrannt hat, nur weil Einigen Inhalt oder Autoren nicht in den Kram gepasst haben.

    Genug davon. Jetzt höre ich mir endlich die Folge an 🙂

    • Tobias Knoll
      Posted August 27, 2012 at 14:39 | Permalink

      Hey Micha,

      Ich tue mich ja mit derart weit gefassten begrifflichen Definitionen immer etwas schwer. Und ganz besonders, wenn an den Begriff (wie es ja beim Thema “Kunst” der Fall ist) an die Definition auch eine gesellschaftspolitische Debatte gekoppelt ist. Wenn es einfach nur darum gehen würde, darüber zu streiten ob etwas Kunst ist, oder nicht, dann würde ich dir völlig zustimmen. Allerdings wirken hier auch noch weitere Faktoren ein, die weit über persönliche Meinungen und Perspektiven hinausgehen. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die Frage der Förderung durch den deutschen Kulturrat, die ja auch im Podcast angesprochen wurde. Und natürlich spielt hier auch mal wieder die leidige Debatte um das Thema und den Begriff “Killerspiel” eine Rolle. Wobei sich auch hier deutlich zeigt, wie schädlich ein zu unscharf gefasster Begriff zumindest in einer derart stark politisch aufgeladenen und medienpräsenten Diskussion sein kann.

      Bitte versteh mich hier nicht falsch. Auch ich glaube, dass eine eindeutige, klar umrissene Definition eines kulturell geprägten und in sich schon konstruierten Begriffes wie Kunst nicht möglich und auch nicht sinnvoll ist. Leider hilft es aber der gesellschaftlichen Debatte auch wenig wenn man einfach sagt: “Alles ist Kunst”. Kunst ist ein diskursiver Begriff, genau so wie “Kultur” oder “Religion” und dementsprechend sollte bei jeder Verwendung auch darauf geachtet werden, in welchem Kontext und mit welcher Agenda man selbst und andere ihn momentan benutzen.

      Letztendlich vertrete ich aber die Ansicht, dass die gesamte Diskussion um Spiele als Kunstform vor allem eine Ausdrucksform (unter vielen) der Verlagerung in der Wahrnehmung von Spielen – weg vom reinen bedeutungslosen Zeitvertreib pubertierender Jungs und hin zum Teil der unserer Gegenwartskultur – darstellt. Mia Consalvo, Professorin für Comparative Media Studies am Massachusetts Institute of Technology (MIT) drückt das folgendermaßen aus: „[Games are] important cultural artifacts that can reveal social, political, and other insights about contemporary life.“ Dieser Ansicht schließe ich mich, vor allem als Geisteswissenschaftler, der sich mit Spielen auseinandersetzt, gerne an. Ob Spiele um diese Rolle zu erfüllen gleich insgesamt zur Kunstform erhoben werden müssen, ist da aber eine ganz andere Frage ;).

      P.S.: Bitte mehr Kommentare! Ich werd gerade erst warm ;).

    • Schue
      Posted August 27, 2012 at 18:35 | Permalink

      Ich schließe mich gleich mal der der Disukssion um den Kunstbegriff an, werde aber dann im weiteren Verlauf auf den heutigen Podcast Bezug nehmen.

      Ich kann der Einstellung, dass alles Kunst sei, nicht ganz folgen. Du magst wohl Recht haben, dass Kunst sich dadurch bedingt, vom Menschen geschaffen worden zu sein. Allerdings kannst du nicht im Umkehrschluss sagen, dass alles vom Menschen Geschaffene auch Kunst ist. Okay du sagst “in kreativer Einzelleistung”. Doch wie definierst du jetzt “kreativ”?
      Ich bin der Ansicht, dass sich Kunst in eingeschränkteren Bahnen bewegt, als du es definierst. Diese Einschränkungen sind (neben der von Tobi angesprochenen persönlichen) politische, gesellschaftliche und wissenschaftlicher (und vll. noch anderer) Natur. Mir geht es hierbei nicht darum, dass jeder Mnesch Kunst für sich anders definiert. Ich meine aber, dass innerhalb der Menschheit oder Volksgruppen es eine klare Definition für den Begriff Kunst gibt.
      Natürlich will ich das Ganze an Beispielen erklären und hoffe es wird nicht zu abstrus bzw. zu abgehoben. Deine AUssage lautete ja “Alles was vom Menschen in kreativer Eigenleistung erstellt wird, ist Kunst.”
      Nehmen wir mal den wissenschaftlichen Aspekt. Sozusagen die Schöpfung einer Sache. Vor mehreren Jahrzehnten haben Ingenieure mit Stift und Papier eine Rakete entwickelt – dafür war eine gewisse Kreativität nötig. Diese Rakete wurde dann mit hilfe von Arbeitern gebaut und ins Weltall geschossen. Wenn ich nun deine Behauptung heranziehe, dann muss man die Rakete ja als Kunst bezeichnen. Okay du kannst jetzt sagen “Hey das ist Ingenieurskunst”. Aber Ingenieurskunst ist nicht gleich der kulturellen Kunst. Und das wird wohl von der gesamten Menschheit so gesehen (außer dir vll. :P).
      Ein zweites (etwas haariges) Beispiel, wäre ein Jugendlicher der Hakenkreuze an Wände schmiert. Von mir aus auch in einer besonderen Anordnung mit bunten Farben und dem Gesicht von Hitler daneben. Würdest du dich da selbst auf das gesellschaftliche Glatteis führen und sagen, dass sei Kunst, nur weil ein Mensch “kreativ” geworden ist? Ich denke hier spielen die kulturellen Aspekte auch mit rein, so dass sich bei uns das “Gemälde” wohl eher als Schmiererei und Schandfleck definiert, denn als Kunstwerk. Immerhin wurden verbotene Symbole verwendet, ein Gesellschaftsproblem hervorgehoben, aber nicht kritisiert oder bearbeitet. Das Gleiche trifft natürlich auf jegliche Edding-Schmiererei an Wänden.
      Ich wollte mit den Beispielen zeigen, dass man Kunst nicht verallgemeinern kann, in dem man sagt “Alles, was der Mensch erschafft, ist Kunst”, denn Kunst != Kunst und eben nicht alles, was der Mensch erschafft, ist Kunst bzw. hat den Wert als Kunst bezeichnet zu werden.

      So jetzt mal weiterhören und meinen Senf dazu geben:

      Ich finde, dass der Museumsvergleich etwas hingt. Denn ich sehe ein Spiel eher als ein Film, einen gesteuerten Film. Immerhin gibt es viele Parallelen, man hat die Visuellen Effekte, man hat die Schriftstellerische Künste UND man hat die Kunst den “Kunden” in eine Aktion/Emotion zu verwickeln. Ich gehe auch soweit, dass Brettspiele Kunst sind. Denn auch hier hat man die gleichen Punkte gegeben. Das Brettspiel muss “gemalt” werden. Um die Regeln des Spieles zu erötern, muss eine Geschichte hinter dem Spiel stehen – diese kann auch noch so kurz sein.
      Auch die Argumentation, dass WAHRE Kunst nur wenigen Leuten zugängig ist, oder fragil ist. Nehmen wir die Mona Lisa. Da werden nicht wenige Leute in den Genuss kommen diese anzuschauen.

      Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es ein rießiges Problem gibt. Kunst lebt davon, dass Menschen Emotionen damit verbinden. Emotionen sind allerdings das Subjektivste was es gibt, womit wir dazu kommen, dass sich NIE eine objektive Diskussion darüber ergeben kann, was Kunst eigentlich ist – da die Diskussionsteilnehmer von subjektiven Befindlichkeiten geleitet werden.

  2. Posted August 30, 2012 at 15:13 | Permalink

    Meine Meinung zu eurer sehr spannenden Diskussion habe ich gleich selbst mal aufs “Papier” gebracht: http://onlineleben.wordpress.com/2012/08/30/sind-videospiele-kunst/

    Danke für den interessanten Podcast, auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte bei einigen Argumenten dazwischen grätschen zu können 🙂

    • Tobias Knoll
      Posted August 31, 2012 at 11:04 | Permalink

      Hey, erst mal vielen Dank für deinen Kommentar und vor allem, dass du die Diskussion über die Webseite hinaus weiterträgst, das freut mich immer sehr :). Ich werde, sobald ich Zeit habe, eine ausführliche Antwort direkt auf deiner Webseite posten ;). Erst mal muss ich aber das Dota 2 International heil überstehen.

      Und dass du am liebsten direkt im Podcast mitmischen willst, ist natürlich so gedacht, schließlich soll die Kommentarfunktion ja ordentlich genutzt werden! 🙂

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