Folge 18 – Was ist ein Gamer?

In den vergangenen Folgen unserer Reihe “Gaming Culture – Spiele und Gesellschaft” haben wir uns mit “Spielen und Gewalt”, “Finanzierungsmethoden für Computerspiele” und “Spielentwicklung als Beruf” auseinandergesetzt. In der abschließenden Folge der Reihe widmen wir uns nun einem Thema, bei dem sich wohl jeder, der dies liest angesprochen fühlen dürfte: die Spieler selbst. Oder, um es etwas “internationaler” zu halten: die Gamer…

Doch was ist eigentlich ein Gamer? Und warum wird diese Bezeichnung in den Medien, in der Fachpresse, in der Politik und nicht zu zuletzt von uns selbst immer wieder verwendet und herausgehoben, um uns von “Nicht-Gamern” und damit einem immer noch großen Anteil der Gesellschaft abzugrenzen. Macht es sozial und gesellschaftlich gesehen einen solchen Unterschied ob man Videospiele spielt oder nicht? Und wenn ja, was sind denn diese Unterschiede und gelten sie für jede Art von “Spieler”?

Sind Gamer eine “Subkultur”? Ist Spielen wirklich so wichtig und prägend, dass es seine eigenen Regeln und Normen mit sich bringt, die zum Rest der Gesellschaft parallel oder gar konträr verlaufen?

Oder sind wir einfach nur eine wirtschaftliche Zielgruppe, deren Selbstbewusstsein als geschlossene Gemeinschaft durch Marketingtricks gezielt gestärkt wird um eine beständige und engagierte Käuferschaft zu erhalten, die ihrem Medium auch weit über das Kindesalter hinweg treu bleibt?

Dies sind nur zwei mögliche Antworten auf diese Frage. Vielleicht sieht eure ja ganz anders aus. Hört euch unseren dieswöchentlichen Podcast an und fragt euch dann selbst: Was ist ein Gamer? Und wenn ihr mögt, dann teilt uns eure Antwort doch einfach mit.

Wir sind sehr gespannt!

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4 Comments

  1. Posted May 28, 2012 at 10:28 | Permalink

    Ich bin Gamer!
    Diese Aussage wundert sicher einige, die mich nur als gegenwärtige Person mit fast 40 Jahren kennen, denn ich habe weder DotA noch Portal (2) gespielt, noch kaufe ich mir jedes aktuelle Spiel oder rüste meine PC-Hardware beständig auf, um wirklich alle aktuellen Spiele spielen zu können. Im Gegenteil spiele ich heute Spiele oft erst dann, wenn der große Hype darum vorbei ist und man sie zu reduzierten Preisen für 10-20 Euro spielen kann.

    In meiner Jugendzeit war das auch mal anders. Ich gehörte zu den Jungs, die sich immer an den Spielautomaten in den Kaufhäusern und am Bahnhof rumgetrieben haben. Wie oft habe ich mein damals spärliches Taschengeld schon am ersten Tag in Automaten wir Woderbay in Miracleland oder Phönix versenkt. Als ich mir dann irgendwann eine eigenes Atari VCS 2600 leisten konnte, habe ich statt Hausaufgaben lieber stundenlang Pac Man, Pitfall, River Raid und Konsorten gespielt. Was war ich damals stolz, als ich irgendwann mal mehr als 30 Spiele besessen habe (welches pro Stück auch schon zwischen 30-50 DM gekostet hat). Damals habe ich mich auch noch intensiv mit dem Thema Spiele auseinander gesetzt. Jede Ausgabe der TeleMATCH habe ich mehrfach gelesen, Listen angelegt mit Spielen, die ich unbedingt mal spielen will. Die (wenigen) Freunde, welche ebenfalls ein Atari hatten, waren die wichtigsten Menschen in meinem Umfeld, der Junge mit dem Intellivision war der größte Feind (obwohl oder gerade weil es die besser Umsetzng von Star Wars für dieses System gab). Aber selbst als “Feind” war der besser, als alle Anderen, denn er war auch Gamer. Vom Rest des Umfelds (also andere Kinder und Jugendliche) wurde man, wenn überhaupt nur müde belächelt. Aber die hat man ohnehin größtenteils ignorierert, denn mit denen hatte man nichts gemein. Bei den Lehrern gab es entweder die, die einen für sein Dasein als Gamer stetig dumm angemacht haben (“Soll ich dir die Matheaufgabe als Klötzchen in Pac Man stellen?”) oder die sich quasi interessiert an einen herangeschleimt haben. irklich verstanden fühlte man sich damals aber nicht.

    Das 2600er wurde irgendwann mal mit dem C64 und noch später mit dem Amiga ersetzt. Die TeleMATCH gab es irgendwann plötzlich nicht mehr, weil ein französisches Mode-Magazin aufgrund eines ähnlichen Namens den kleinen Verlag in den Ruin geklagt hatte. Statt dessen gab es dann die ASM und PowerPlay. Und da meine Eltern mein Hobby ohnehin noch nie finanzieren wollten, habe ich neben der Schule (und der Zockerei) jeden greifbaren blöden Schüler/Ferienjob gemacht, um mir das notwenige Geld für Zubehör (Disketten, Joysticks usw), Hardware, Literatur und natürlich auch Spiele zu verdienen.

    Irgendwann, nachdem ich mir für Wing Commander III teuer den PC aufgerüstet habe, hat mich dann aber der Trieb verlassen, jedem Spieletrend blind zu folgen. Trotzdem habe ich Doom I und II sowie zahlreiche Maps durchgespielt und mir mit Kumpels so manches witzige Gemetzel in Duke Nukem 3D oder Diablo geliefert. Spätestens seit ich mich aber Tomb Raider verweigert habe (Weil ich mir keine Voodoo FX kaufen wollte) und von Kumpels wegen der schlechteren Grafik bei HalfLife auf meiner Fire GL 1000 aufgezogen wurde, waren Computerspiele keine Obbession sondern Leidenschaft. Streifzügeg mit Freunden in Everquest oder Dark Age of Camelot waren aber immer noch fester Bestandteil meiner Freizeitgestaltung. Und der Raidplaner meiner WoW-Gilde war manchmal wichtiger als mein Terminkalender. Und: obwohl es gerade in der WoW-Zeit viel gab, über das ich mich geärgert habe (passiert eben beim Zusammenspiel mit bis zu vierzig anderen Egomanen *g*) hat das auch immer Spass gemacht.

    Aktuell spiele ich zwar nicht mehr so viel wie früher, aber Spielen hat immer noch einen festen Platz in meinem Alltag – auch wenn es vielleicht nur das kurze Einloggen bei Siedler Online ist. Auch – oder gerade – die neuen Spielemöglichkeiten auf den Mobilplattformen finde ich faszinieren. Eine Runde Windup Knight, Annomality oder Old Fart liegt immer mal drin (und oft bleibts dann nicht nur bei der einen Runde *g*). Bei Minecraft musste ich nicht lange nachdenken um mir das in der Beta zu kaufen und auch das Humble Bundle holt mich immer passend ab.

    Und dann holt mich ab und an die Notalgiewelle ein und ich spiele eine Runde Ghost’n Goblins oder Pole Position unter Mame. Und ich hoffe, das Eiswuxe irgendwann mal ein Remake von Golden Axe schreibt *g*.
    Computerspieler sind einfach ein Teil meines Lebens.
    Ich bin Gamer.

    • Tobias Knoll
      Posted May 28, 2012 at 15:46 | Permalink

      Vielen Dank für deinen Beitrag! Genau so habe ich mir das vorgestellt, bitte mehr davon! 🙂

      Ich finde es (gerade als Sozial- und Kulturwissenschaftler) unglaublich interessant, dass sich um ein simples Hobby wie das Spielen geradezu eine eigene Kultur, mit eigenen (persönlichen) historischen Eckpunkten, eigenen Normen und besonders einem Starken Drang dazu gebildet hat, sich von Nicht-Gamern abzugrenzen. Natürlich hat das – wie du selbst schreibst – auch viel damit zu tun, dass vor allem in der Vergangenheit die Reaktionen seitens Nicht-Spielern meist ablehnend bis feindselig (je nach aktueller politischer/gesellschaftlicher Lage) ausgefallen sind. Ich glaube aber auch, dass sich das ganze von der Verschworenheit einer kleinen, oft übergangenen Gruppe mittlerweile zu einem gewissen “Elitismus” einer immer mehr an Zahlenstärke und damit auch Selbstbewusstsein gewinnenden Subkultur entwickelt hat.

      Was mich selbst noch sehr interessieren würde ist, wie es Mitglieder der “jüngeren” Generation mit Videospielen als Teil ihrer persönlichen Identität halten. Aus deiner Beschreibung ist deutlich zu entnehmen, dass du dich in deiner eigenen Lebensgeschichte mehr als nur beiläufig mit dem Medium Spiel auseinandergesetzt hast und dich zu einem gewissen Teil auch daran definierst. Dies setzt aber auch die entsprechenden Erfahrungen voraus, die du schon seid der Anfangszeit des Mediums Spiels sammeln konntest.

      Ist das Gaming vielleicht nur deshalb ein so starker Teil unserer Identität, weil wir Zeiten erlebt haben (und zum Teil noch erleben), in denen Spielen etwas “besonderes” war? Etwas, das nur wenige verstehen und zu dem “Nicht-Eingeweihte” so gut wie keinen Zugang bekamen? Wenn das so ist, bedeutet dies dann nicht, dass wir Teil einer schon wieder im Aussterben befindlichen Gruppe sind? Denn wenn Spielen nichts mehr besonderes, nichts mehr beachtenswertes ist – weder für die Medien, noch für Politik oder unsere Gesellschaft an sich – so wie das heute etwa bei TV und Büchern der Fall ist, dann ist auch kein Platz mehr für eine “Gaming” Subkultur.

      Das ist nicht zwangsläufig etwas schlechtes und muss natürlich in diesem Umfang auch keinesfalls eintreten. Schließlich sind Filme heutzutage auch nichts mehr “besonderes” und trotzdem gibt es auf der einen Seite solche Menschen, die das Medium einfach konsumieren wie jedes andere und solche, die völlig andere Zugänge dazu suchen und sich somit auch von der breiten Masse der Filmkonsumenten unterscheiden, sowohl im Fremd- als auch im Selbstverständnis.

      Die Zukunft ist also erst einmal offen, wie man so schön sagt :).

      • Wraight
        Posted May 29, 2012 at 18:59 | Permalink

        >Schließlich sind Filme heutzutage auch nichts mehr “besonderes” und trotzdem gibt es auf der einen Seite solche Menschen, die das Medium einfach konsumieren wie jedes andere und solche, die völlig andere Zugänge dazu suchen und sich somit auch von der breiten Masse der Filmkonsumenten unterscheiden, sowohl im Fremd- als auch im Selbstverständnis.<
        Genau das ist meiner Meinung die Essens: Unter den "Gamern" gibt es zurzeit den Prozess, dass es einige gibt, die sich mit dem Medium in einer Weise beschäftigen, die teils weit über das bloße "Konsumieren" hinausgeht und gleichzeitig auch Oma und Opa an der Wii und bei Dr. Kawashimas erste Erfahrungen mit dem so "neuen" Medium machen.

        Mich würde doch sehr interessieren, welche Wort sich für den Stamm der interessierten Spielern durchsetzt. Videophil? 😉

        Sehr schöne Folge übrigens, wagt euch weiter an solche Themen!

        • Tobias Knoll
          Posted May 29, 2012 at 23:29 | Permalink

          Wie wärs mit “Ludophil” (von lat. “ludo” für “spielen”), gibt ja auch den Begriff “Ludologe” für Spielforscher… obwohl, das hört sich dann doch etwas hochgestochen an…

          Ich selbst wäre mit Gaming Geek sehr glücklich ;).

          Danke auf jeden Fall für das Lob! Ich verspreche dass wir in diese Richtung in Zukunft noch einiges mehr bringen werden und wir sind dahingehend natürlich auch immer offen für Vorschläge. 😉

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