Folge 6 – Gewalt in Spielen

Killerspiele. Verrohung. Zensur. Verbot. All dies sind Schlagworte, mit denen die meisten Gamer wohl schon einmal in Kontakt gekommen sind und bei denen bei so manchem auch die Emotionen hochkochen mögen. Im Rahmen der ersten Folge unserer neuen Reihe “Gaming Culture –  Spiele und Gesellschaft” sprechen wir darüber, wie in Deutschland mit Gewalt in Computerspielen umgegangen wird, welche Rolle dabei USK, BPJM, Politik und die Medienberichterstattung spielen und warum konstruktive Diskussionen rund um das Thema oftmals so schwer zu fallen scheinen.

Shownotes/Genannte Spiele

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9 Comments

  1. Schwarzmaler
    Posted February 27, 2012 at 10:44 | Permalink

    Bei mir hat es damals auch lange gedauert, bis ich erfahren habe, das in der originalen Command & Conquer-Version wirklich menschliche Soldaten zugange waren. Das war übrigens auch beim ersten Teil (Der Tiberiumkonflikt) der Fall. Es hat mich aber auch in keinster Weise gestört und ich denke, das lag einfach daran, dass zu den C&C-Zeiten diese Zensur für lokale Versionen einfach noch nicht so verbreitet war. Deshalb wussten die meissten wohl nicht, dass es eine Version mit Menschen und Blut gibt. Wenn C&C Alarmstufe Rot zu heutigen Zeiten released worden wäre, hätte im Intro sicher nicht der berühmte Satz “Hitler ist aus dem Weg…” nach dem ersten Chrono-Jump fallen dürfen. 🙂

    Und wie ihr ja schon erwähnt habt: Zu meinen “Zeiten” war es auch einfach noch nicht möglich, mal eben eine uncut Version aus dem Internet zu ziehen. Internet gab es noch lange nicht so verbreitet und wenn, dann war maximal Modem oder ISDN verfügbar. Für Import-Versionen musste man dann noch in die einschlägigen Läden in der Stadt gehen und hoffen, dass der das gewünschte Spiel hat oder es sogar importieren lassen. Ich erinner mich an einen Kumpel, der hatte relativ neu eine PS1 und hatte sich, ca. 1 Jahr vor dem EU-Release TEKKEN 1 aus Japan importieren lassen, für sagenhafte 220 D-Mark. Da er eine First-Gen PS1 hatte, konnte man die Import-Games mit dem alten “Streichholz-Trick” ohne Probleme spielen. Und nach ner woche kam man auch mit dem japanischen Menü klar 😉

    • Alien
      Posted March 6, 2012 at 13:37 | Permalink

      In der englischen Fassung gab es eine kurze Szene in der man Hitler sah. Einstein gibt ihm dann die Hand und die beiden springen durch die Zeitreise weg.
      Das fehlte in der deutschen Fassung und man sah soweit ich mich erinnere nur Einstein wie er die berühmten Worte sprach 🙂

  2. Posted February 27, 2012 at 15:23 | Permalink

    Das Alles erinnert mich an ein Erlebnis, das ich vor ca. drei Jahren hatte. Ich war damals in der Spielebranche tätig und war von meinem damaligen Arbeitgeber aus bei einer Veranstaltung im Bayrischen Landtag. Die Veranstaltung nannte sich “Parlamentarischer Spieleabend” an dem Spieleentwickler den Politikern Computerspiele nahebringen wollten. Das Ganze war wie eine kleine Messe mit mehreren Plätzen an denen Spiele präsentiert wurden.

    Unser Stand war dank fehlender Kontroverse (KI in Spielen) eher spärlich besucht. Natürlich waren sehr viele Reporter zugegen. Eine Reporterin kam auf mich zu und fragte mich: “Entschuldigung, wo kann man hier denn eines dieser umstrittenen Ego-Shooter zu sehen bekommen?” Ich verwickelte sie prompt in eine Diskussion darüber. Es stellte sich heraus, dass sie dem Thama gegenüber garnicht so verschlossen war, allerhöchstens etwas uninformiert (direkt neben unseren Stand wurde Crysis gespielt). Mir wurde dann klar, warum sie nach Ego-shootern fragte. Sie sagte: “Besonders interessant wäre es mal zu sehen, wie einer der Herren Politiker mal so ein Spiel spielt.” Fand ich sehr interessant.

    Später kam ein Offizier der Bundeswehr (in Zivil) mit dem ich mich auch über das Thema unterhalten habe. Ich finde es sehr interessant, dass in der Bundeswehr (laut seiner Aussage, ich selber habe Zivildienst geleistet) nicht auf Ziele geschossen werden darf, die einer menschlichen Silhouette zu sehr ähnelten. Später erzähle er mir, wie lächerlich er es fand, wie Politiker mit Spielen umgehen. Er habe ein paar Stände weiter gesehen, wie ein älterer Landtagsabgeordneter Bioshock vorgeführt bekommen hat und schon in den ersten Minuten (In denen eigentlich nicht viel passiert) das Spiel als “zu realistisch” bezeichnete und sagte, es gehöre verboten. Er wollte sich danach auch nicht weiter damit befassen.

    • Tobias Knoll
      Posted February 27, 2012 at 20:02 | Permalink

      Ich fürchte solche Leute wird es immer geben. Nur dass der Einfluss, den diese in der Gesellschaft haben mit der Zeit (hoffentlich) nachlassen wird. Trotzdem sind Veranstaltungen wie die, die du beschrieben hast meines Erachtens sehr wichtig, denn auch die Spielindustrie beckleckert sich oftmals nicht gerade mit Ruhm, wenn es darum geht, konstruktiv mit dem Thema Gewalt umzugehen. Viel zu oft baut man leider lieber auf Schock als Marketinginstrument als auf aufgeklärte Auseinandersetzung mit Kritikern. Ein gutes Beispiel hierfür ist der UNSÄGLICHE “Your Mom hates Dead Space 2” Werbespot zu Dead Space 2 von EA.
      Spieler und Spielindustrie müssen weiterhin gemeinsam daran arbeiten dem Rest der Welt zu zeigen, dass solche Dinge nicht stellvertretend für das Medium Spiel stehen und es auch hier – wie in allen anderen Medien – Abstufungen, schwarze Schafe und schlichtweg Idioten gibt. Ja EA ich schaue in eure Richtung!

  3. Wraight
    Posted February 27, 2012 at 15:43 | Permalink

    Wiedermal ein super Cast, mich freut es sehr dass ihr euch für einen Podcast auch mal ein wenig mehr Zeit nehmt.

    Wer Interesse hat, sich etwas näher mit der USK zu beschäftigen, dem kann ich nur zwei Folgen eines inzwischen eingestellten Podcast ans Herz legen: http://spieleohnegrenzen.podspot.de/post/sog57_2-on-tour-bei-der-usk-teil-1/
    http://spieleohnegrenzen.podspot.de/post/sog58_2-on-tour-bei-der-usk-teil-2/

    • Tobias Knoll
      Posted February 27, 2012 at 19:50 | Permalink

      Danke für den Tipp, werd ich auf jeden Fall mal reinhören!

  4. Micha
    Posted February 28, 2012 at 17:24 | Permalink

    Gelungener Podcast, hat mir gut gefallen.

    Folgendes würde ich gerne aus meiner Sicht anmerken:
    Gewalt in Filmen und Spielen ist ein Stilmittel mittels dem man Emotionen beim Zuschauer oder Spieler hervor rufen will. Welche Emotionen dann tatsächlich ausgelöst werden, hängt ein gutes Stück vom jeweiligen Individuum ab. Die Gewaltdarstellung in Kill Bill als Beispiel fand ich zwar übertrieben, aber dadurch konnte ich mich emotional von der Gewalt als solchen lösen und mich auf den künstlerischen und ästhetischen Aspekt der jeweiligen Szenen einlassen.
    In Filmen, bei denen die Gewalt nicht direkt gezeigt wird, weil z.B. Menschen in einem angrenzenden Raum erschossen werden oder man vielleicht auch nur die jeweiligen Gräber sieht, bin ich üblicherweise sehr viel mehr betroffen. Hier entwickelt sich dann gerne mal Sympathie für Charaktere oder ich kann Motivationen besser folgen.
    Bei Spielen ist es da nicht anders. Eine gewisse Gewalt schafft z.B. eine emotionale Nähe zum Inhalt. Natürlich kann man viele Themen auch gewaltfrei aufbereiten (wie z.B. bei Bee Avenger ), aber manche Themen werden einem Sprizter Gewalt einfach interessanter. Das mag so manchem pazifistischen Zweitwangenhinhalter vielleicht nicht gefallen, aber das liegt wohl in der Natur des Menschen. Ich gestehe hier aber auch gerne ein, dass das Thema Gewalt gerne auch mal dafür herhalten muss, den kommerziellen Erfolg zu verbessern.

    Für Erwachsene ist das auch gar kein Thema. Jeder soll und kann für sich selbst entscheiden, wie viel Gewalt er in Medien hinnehmen will oder nicht. Kritischer wird es bei Kindern und Jugendlichen. Hier ziehen wir uns nämlich die nächste Generation unserer Gesellschaft heran. Dummerweise neigen junge Menschen dazu sich selbst zu überschätzen und lassen sich zudem stark von außen beeinflussen. Das wir hier allgemeingültig regeln, für welche Altersgruppen welche Form und Art von Gewaltdarstellung hinnehmbar ist, halte ich daher für in Ordnung. Das Thema darf man nicht einfach den Eltern überlassen, selbst wenn man allen zugestehen würden, dass sie sich mit dem Thema auskennen und auch verantwortungsvoll über die Sachverhalte nachdenken. Das Thema betrifft letztlich die ganze Gesellschaft, daher dürfen solche Vorgaben auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen.
    Den Job, den die USK bzw. FSK dabei heute macht, halte ich für grundsätzlich in Ordnung. Sicher kann man über einzelne Entscheidungen streiten. Das Vorgehen der Vorab-Prüfung hat zudem auch nicht nur Vorteile. Diese Praxis halte ich aber für deutlich besser, als die Indizierungen, welche die BPjM z.B. in den 80er Jahren vorgenommen hat.
    Damals konnte ein Spiel nämlich erst dann indiziert werden, wenn es auf dem Markt vorhanden war. Zudem musste eine entsprechende Prüfung von einer anerkannten Stelle (Jugendamt, Kirche etc) beantragt werden. Für den Publisher war das – in einer Zeit als der Markt noch nicht Millionen schwer war wie heute – ein ziemliches Risiko. Manche Titel konnten dann nämlich gerade mal in den ersten zwei bis vier Wochen frei beworben und verkauft werden. Danach war so mancher Titel vom Markt. Da sich Informationen zu Spielen damals nur über die Spielezeitschriften verbreiteten und auch die Werbebudgets deutlich kleiner waren, war die Veröffentlichung eines Spiels ein ziemliches Risiko. Heute hingegen haben gerade die Hersteller/Publisher eine deutlich höhere Planungssicherheit. Bekommt ein Spiel von der USK ein Siegel, darf es frei beworben und verkauft werden. Selbst beim 18er Siegel! Verweigert die USK ihr Siegel, lässt sich immer noch eine Änderung im Spiel durchführen.

    Was die reflexartige Verbindung einer Menschen von Gewalt mit Spielen angeht, sehe ich das entspannt. Computerspiele sind als Medium in der Gesellschaft angekommen, die ganzen Klischees verschwinden. Mein Vater hatte sich damals wie doll gefreut, als wir ihm zum 60. Geburtstag einen Gameboy (allerdings mit Lupe *g*) geschenkt haben. Meiner Yoga-Lehrerin war es wichtig, das sie vor ihrer letzten Reise Tetris & Co. auf ihrem Tablet hatte. Die Wartezeit am Flughafen wollte sich wohl sicher nicht mit dem einen oder anderen Sonnengruß überbrücken.

    Es wird aber auch weiterhin Leute geben, die Computerspiele als Gewalt fördernd und allgemein schändlich darstellen. Damit müssen wir einfach leben, selbst wenn deutlich zu erkennen ist, das diese Leute keine Ahnung haben oder sich nur als Retter der Moral positionieren wollen. Da gibt es schlimmeres 🙂
    Btw: Ich habe von keinem Taubenzüchterverband gehört, der sich negativ zu Ozzy Osbourne ode Rock/HeavyMetal-Musik abfällig geäußert hätte.

    • Tobias Knoll
      Posted February 28, 2012 at 18:32 | Permalink

      Super interessante Ergänzungen, vielen Dank dafür! 😉

      Ich finde es interessant, dass du bei der Auflösung der Verbindung von Spielen mit Gewalt gerade das mobile Spielen und/oder Casual Games erwähnst. Glaubst du, dass der Casual Markt (vor allem der für Smartphones und Tablet PCs) hier auch einen Beitrag zur Desensibilisierung geleistet hat? Ein “Angry Birds” oder ein “Doodle Jump” hat ja mittlerweile wohl so ziemlich jeder in den Fingern gehabt ;). Ich selbst könnte mir zumindest gut vorstellen, dass der ständige Kontakt mit dem Medium Spiel – auch in der Öffentlichkeit – eine etwas offenere Haltung nach sich zieht. Relevant für diese Frage wäre natürlich auch, wie geschlossen die Grenzen zwischen “Casual” und “Hardcore” Gamern eigentlich wirklich sind.

      • Micha
        Posted February 28, 2012 at 19:49 | Permalink

        Ich glaube, den größten Beitrag zur Desensibilisierung hat die generelle Verfügbarkeit geeigneter Plattformen.
        Die ersten Computerspiele konnte man nur in Spielhallen und Gaststätten spielen – sicher nicht mehr als ein paar hundertausend weltweit. Der C64 wurde in den rund 15 Jahren seines Bestehens rund 1,5 Mio mal verkauft. Nintendos Gameboy brachte es weltweit auf 85 Mio Einheiten. Die XBox360 liegt jetzt nach 5 Jahren schon bei 70 Mio. Für dieses Jahr wird ein Absatz von rund 30 Mio Smartphones in Europa prognostiziert.

        Viele Spielkonzepte die mir heute auf Smartphones als Casual begegnen, kenne ich schon als Serious Gaming Titel aus den 80er und 90er. Sicher tragen diese Spiele zur Akzeptanz des Themas Spiele bei. Tetris gabs aber auch schon Ende der 80er. Heute hat aber jeder die Möglichkeit mal schnell eine Runde zu spielen.

        Letztlich ist es wie beim Golf (dem Sport, nicht das Auto *g*): wenn die breite Masse keinen Zugang hat, blickt sie mit Skepsis und Distanz darauf.

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